Lebe dein Leben, wie es dir gefällt – eine Einladung an dein inneres Kind
Bewusst leben, spielerischer werden und Lebensfreude zurückgewinnen – mit einfachen Inneres-Kind-Übungen im Alltag
Worum es hier geht
Du bist nicht auf die Welt gekommen, um nur Termine abzuarbeiten, Erwartungen zu erfüllen und irgendwann, wenn alles erledigt ist, mal kurz zu atmen.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du funktionierst, du machst, du organisierst – aber irgendwo auf dem Weg ist etwas leiser geworden. Etwas, das früher selbstverständlicher da war: Neugier, Spiel, Freude, Lebendigkeit.
Dieser Artikel ist keine Einladung zur Flucht in die Vergangenheit. Und auch kein Aufruf, alles hinzuschmeißen.
Es geht um etwas Bodenständigeres: darum, dir im Alltag wieder mehr Raum für das zu geben, was dich lebendig macht.
Merksatz: Es geht hier nicht um Nostalgie. Es geht um Lebendigkeit.
Inhaltsverzeichnis
Kurz gesagt
- Das innere Kind steht für Lebendigkeit, Gefühl, Neugier und Verletzlichkeit.
- Im Alltag geht dieser Teil oft unter Leistung, Rollen und Stress verloren.
- Bewusst zu leben heißt nicht, alles zu verändern – sondern wieder mehr bei dir anzukommen.
- Schon kleine Übungen können helfen, Lebensfreude zurückzugewinnen.
- Die Arbeit mit dem inneren Kind muss nicht groß sein. Oft reicht ein kleines, regelmäßiges Stück Rückverbindung.
Was ist das innere Kind eigentlich?
Wenn wir vom inneren Kind sprechen, meinen wir meist den Teil in uns, der früher ganz natürlich da war: Neugier, Gefühl, Spiel, spontane Freude – aber auch Verletzlichkeit, Scham oder das Bedürfnis nach Sicherheit.
Dieser Teil ist nicht weg. Er ist oft nur leiser geworden.
Zum Beispiel unter Sätzen wie:
Mit dem inneren Kind in Kontakt zu kommen heißt nicht, zurück in die Vergangenheit zu fliehen. Es heißt, dem kindlichen Teil in dir heute wieder etwas Raum zu geben – im Hier und Jetzt.
Nicht, damit du „weniger erwachsen“ wirst. Sondern damit du wieder vollständiger wirst.
Warum wir uns von uns selbst entfernen
Die meisten Menschen entfernen sich nicht bewusst von sich selbst. Es passiert langsam.
1Leistung und Bewertung werden wichtiger als Freude
Schon früh lernen viele: Richtig sein zählt mehr als ausprobieren. Nützlich sein zählt mehr als spielen. Und irgendwann wird aus Neugier Leistung.
2Rollen verdrängen Lebendigkeit
Du wirst die Vernünftige. Der Starke. Die Zuverlässige. Der Funktionierende.
Rollen helfen im Leben. Aber wenn sie zu eng werden, bleibt oft wenig Platz für Leichtigkeit, Unsicherheit, Freude oder Spiel.
3Stress macht eng
Wenn dein System dauerhaft unter Druck steht, geht es ums Durchkommen – nicht um Lebendigkeit. Dann zählt vor allem, was funktioniert. Das ist verständlich. Aber auf Dauer wird das Leben dadurch oft schmaler.
Merksatz: Je mehr du im Alarm bist, desto weniger Spielraum hat Lebendigkeit.
Wenn man lange nur über Funktionieren organisiert ist, fühlt sich Freude oft erst einmal ungewohnt an. Genau deshalb lohnt sich die Frage: Was bedeutet es eigentlich, wieder etwas mehr so zu leben, wie es wirklich zu dir passt?
Was „Lebe dein Leben, wie es dir gefällt“ wirklich bedeutet
Dieser Satz klingt groß. Gemeint ist aber nichts Radikales.
Er bedeutet nicht:
- alles hinzuschmeißen
- plötzlich auszusteigen
- egoistisch zu werden
- keine Verantwortung mehr zu übernehmen
Er bedeutet eher:
- dein Leben wieder bewusster zu gestalten, statt es nur abzuarbeiten
- dich wieder öfter zu fragen, was dir wirklich guttut
- dir Zeit zu erlauben, die keinen Zweck erfüllen muss
- deiner Freude wieder einen Platz zu geben
Bewusst zu leben ist oft weniger spektakulär, als viele denken. Es ist vor allem ehrlicher.
Merksatz: Du musst nicht mehr machen. Du musst dich wieder öfter spüren.
6 Inneres-Kind-Übungen für den Alltag
Diese Übungen sind klein, machbar und alltagstauglich. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Rückverbindung.
1Kindheits-Freude-Liste
Was ist die Übung?
Nimm dir 5 Minuten und schreib 3 bis 5 Dinge auf, die dir als Kind Freude gemacht haben. Was konntest du stundenlang tun, ohne auf die Uhr zu schauen?
Zum Beispiel:
- malen
- Dinge sammeln
- bauen
- Geschichten erfinden
- Musik hören
- draußen entdecken
Dann frag dich: Wie könnte davon heute eine kleine Erwachsenen-Version aussehen?
Warum hilft das?
Weil du dich nicht abstrakt fragst, was dich lebendig macht – sondern bei etwas ansetzt, das dein System oft schon kennt.
Wie klein darf es anfangen?
Ein Punkt auf der Liste reicht für heute.
210 Minuten Spielzeit
Was ist die Übung?
Stell dir einen Timer auf 10 Minuten und mach etwas, das keinen anderen Zweck hat, als dir gutzutun.
Zum Beispiel:
- kritzeln
- fotografieren
- Musik anmachen und dich bewegen
- etwas mit Farben ausprobieren
- mit Worten spielen
- draußen etwas entdecken
Warum hilft das?
Weil dein Alltag sonst oft nur Raum für Nützliches lässt. Diese 10 Minuten setzen ein anderes Signal: Freude darf auch ohne Leistung existieren.
Wie klein darf es anfangen?
Auch 5 Minuten zählen.
3Zeit ohne Leistung
Was ist die Übung?
Plane dir 20 Minuten ein, in denen du bewusst nichts Produktives tun musst.
Kein Optimieren. Kein Aufholen. Kein „eigentlich müsste ich noch“.
Warum hilft das?
Weil viele Menschen erst dann entspannen, wenn alles erledigt ist. Das Problem ist nur: Es ist nie alles erledigt. Diese Übung unterbricht genau dieses Muster.
Wie klein darf es anfangen?
Starte mit 10 Minuten und dem Satz: „Ich muss mir Freude nicht verdienen.“
4Neugier statt Druck
Was ist die Übung?
Frag dich bei etwas Neuem nicht: „Kann ich das?“ sondern: „Macht mich das neugierig?“
Das kann ein kleiner Kurs sein, ein Ort, ein Material, ein Satz, ein Hobby, eine Idee.
Warum hilft das?
Weil Neugier oft ein besserer Kompass ist als Selbstbewertung. Sie bringt Bewegung rein, ohne sofort Druck zu machen.
Wie klein darf es anfangen?
Ein kleiner Schritt reicht. Nicht die große Veränderung.
5Fühlen statt bewerten
Was ist die Übung?
Wenn du etwas tust, frag dich nicht sofort: „Ist das gut genug?“ Sondern zuerst: „Wie fühlt es sich an, das zu tun?“
Warum hilft das?
Weil dein inneres Kind nicht zuerst nach Bewertung fragt. Sondern nach Kontakt, Freude, Spannung, Lebendigkeit.
Wie klein darf es anfangen?
Einmal am Tag bewusst diese Frage austauschen.
6Freundlich bleiben, wenn nicht nur Freude hochkommt
Was ist die Übung?
Manchmal kommen beim Thema inneres Kind nicht nur Leichtigkeit und Freude hoch, sondern auch Traurigkeit, Scham oder ein Gefühl von Verlust.
Dann probier diese Mini-Abfolge:
- „Das ist gerade schwer.“
- „Ich darf menschlich sein.“
- „Ich bleibe freundlich mit mir.“
Warum hilft das?
Weil Rückverbindung nicht immer nur hell ist. Freundlichkeit macht es leichter, auch mit den schwierigeren Gefühlen dazubleiben.
Wie klein darf es anfangen?
30 Sekunden reichen.
Wenn es emotional tiefer geht
Die Arbeit mit dem inneren Kind kann berühren. Manchmal auch tiefer, als man vorher denkt.
Wenn beim Lesen oder Üben sehr starke Gefühle hochkommen und du merkst, dass du dich überflutet, verunsichert oder innerlich sehr aufgewühlt fühlst, hol dir Unterstützung. Du musst das nicht allein tragen.
Dieser Artikel will dir Orientierung geben – keine therapeutische Begleitung ersetzen.
Wie sich ein Leben anfühlt, das wieder mehr deines ist
Es wird nicht jeden Tag spektakulär sein. Und wahrscheinlich auch nicht dauerhaft leicht.
Aber oft merkst du mit der Zeit:
- du bist häufiger bei dir statt nur im Außen
- du hast wieder echte Freude, nicht nur Erleichterung
- du triffst Entscheidungen, die stimmiger sind
- du musst dich weniger zwingen, um dich lebendig zu fühlen
- du lebst bewusster, ohne ständig gegen dich zu arbeiten
Ein bewusstes Leben entsteht meist nicht durch eine große Revolution. Sondern durch kleine tägliche Rückverbindungen.
Eine kleine Einladung an dich
Stell dir vor, dein inneres Kind könnte heute einen Wunsch äußern.
Was würde es sich von dir wünschen?
Vielleicht mehr Ruhe.
Vielleicht mehr Spiel.
Vielleicht weniger Härte.
Vielleicht einfach 10 Minuten, in denen nichts geleistet werden muss.
Du musst darauf nicht sofort eine perfekte Antwort haben. Es reicht, wenn du die Frage ernst nimmst.
Zum Schluss
Vielleicht geht es gar nicht darum, ein völlig neues Leben zu beginnen.
Vielleicht geht es eher darum, dich Stück für Stück wieder an etwas zu erinnern, das schon lange in dir ist: an Neugier, Freude, Spielraum und Lebendigkeit.
Nicht als Gegenentwurf zum Erwachsensein.
Sondern als Teil davon.
Denn bewusst zu leben heißt nicht nur, gut zu funktionieren. Es heißt auch, dich selbst in deinem eigenen Leben wiederzufinden.




