Du bist mehr als dein Image: 2 Übungen, um versteckte Seiten zu entdecken
Warum dieser Artikel
In deiner Familie bist du „die Zuverlässige“. Im Job bist du „der Starke“. Im Freundeskreis bist du „die, die alle zum Lachen bringt“.
Und irgendwann merkst du leise: „Da ist noch mehr in mir – aber das sieht niemand. Nicht mal ich richtig.“
Springe zu deinem Abschnitt

- authentisch sein im Alltag (ohne Drama)
- Persona/Rollenstress verstehen
- Schattenarbeit als Ressource
- 2 Übungen + 3-Minuten-Routine
Dein Image ist oft eine Rolle – und Rollen haben einen Sinn
Fast jede:r trägt im Alltag Rollen. Psychologisch ist das normal: Wir passen uns an Kontexte an, um sozial zu funktionieren. In der Sozialpsychologie wird das oft als Selbstdarstellung / Impression Management beschrieben: Wir steuern Eindrücke – bewusst oder unbewusst.
In der Jung’schen Sprache heißt diese soziale Maske Persona: wie wir erscheinen (und erscheinen wollen) – und was dabei manchmal innerlich verdeckt wird.
Wichtig: Die Rolle ist nicht dein Feind. Sie war oft eine Lösung. Ein Schutz. Ein Weg zu Zugehörigkeit. Aber: Wenn die Rolle zu eng wird, zahlst du mit dir selbst.
Wenn Rollenstress dein System hochfährt
Manchmal ist das Problem nicht „zu wenig Wille“, sondern: dein Nervensystem läuft zu lange auf Alarm. Dann wird authentisch sein im Alltag plötzlich schwer, weil du nur noch funktionierst.
5 Zeichen, dass du in einer Rolle festhängst
- Du spürst etwas – und zeigst das Gegenteil.
- Du sagst „passt schon“, obwohl innerlich „stopp“ schreit.
- Du bist für alle klar – nur du fühlst dich diffus.
- Ruhe fühlt sich „unverdient“ an.
- Du wirst gelobt und fühlst dich trotzdem nicht gesehen.
Warum versteckte Seiten entstehen: Ist-Ich vs Soll-Ich
Wo eine Rolle ist, gibt es meist Anteile, die scheinbar nicht reinpassen – und deshalb leiser werden oder „in den Schatten“ rutschen:
- Wut („darf nicht laut sein“)
- Bedürftigkeit („will nicht zur Last fallen“)
- Verletzlichkeit („darf mir nichts anmerken lassen“)
- Gestaltungswille („darf nicht dominant sein“)
- Bedürfnis nach Raum („darf nicht egoistisch sein“)
Man kann das auch als Selbst-Diskrepanz verstehen: Wenn „Ist-Ich“ nicht zu „Soll-Ich“ oder „Ideal-Ich“ passt, entstehen typische Spannungen und emotionale Verwundbarkeiten.
In der Jung’schen Perspektive ist das der Bereich des Schattens: Anteile, die nicht zum Ego-Ideal passen und deshalb verdrängt oder projiziert werden.
Der Schatz im Schatten: Versteckte Seiten sind oft Ressourcen
Der Twist: Im Schatten liegen nicht nur Probleme – sondern oft die Kraft, die dir fehlt.
Wut → Klarheit & Grenzen
Ego → gesunder Selbstwert
Bedürftigkeit → echte Nähe
Authentisch sein im Alltag heißt nicht „ungefiltert raus damit“, sondern stimmig handeln – näher am Kern-Selbst.
Wenn du Authentizität praktisch üben willst
Hier geht’s nicht um Selbstdarstellung, sondern um Selbstkonzept-Klarheit: du wirst stimmiger, weil du dich besser erkennst.
Authentizität im Alltag →2 Übungen, um versteckte Seiten zu entdecken
Übung 1: Selbstbild vs Fremdbild (10 Minuten)
Nimm ein Blatt. Zieh eine Linie in der Mitte.
Links: So sehe ich mich. (5–10 Wörter)
Rechts: So sehen mich andere. (5–10 Sätze, die du oft hörst)
Dann beantworte ehrlich:
- Wo fühle ich mich wirklich gesehen?
- Wo übernimmt eine Rolle, obwohl innen etwas anderes wahr ist?
- Welche Seite fährt „hinten im Bus“ mit, obwohl sie ans Steuer will?
Übung 2: Ungeliebte Eigenschaft → geheime Stärke (8 Minuten)
Schreib 3 Eigenschaften auf, die du an dir nicht magst, z. B.: „zu empfindlich“, „zu direkt“, „zu stur“, „zu viel“, „zu still“.
Dann zu jeder Eigenschaft:
- Wovor wollte mich diese Eigenschaft vielleicht schützen?
- Welche Stärke steckt darin – wenn ich sie reif/leise dosiert lebe?
- Wie sähe ein 5-%-Schritt aus, diese Stärke bewusst zu nutzen?
Beispiele:
„zu direkt“ → Wahrheitssinn → 5%: ein klarer Satz ohne Angriff
„zu empfindlich“ → feine Wahrnehmung → 5%: ein Bedürfnis früher benennen
„zu stur“ → Ausdauer → 5%: dranbleiben, aber mit Flexibilität
Mini-Routine (3 Minuten täglich): Rolle lockern, echtes Ich stärken
- Check-in (30 Sek): „Welche Rolle spiele ich heute am stärksten?“ (Stark, Lustig, Zuverlässig …)
- Schatten-Satz (60 Sek): „Ein Teil in mir, der heute auch Raum will, ist …“ (müde, verletzlich, wütend, kreativ, unsicher …)
- Mikro-Handlung (60–90 Sek): eine Mini-Aktion, die nicht zur Rolle passt, aber zu dir: eine kleine Grenze („Heute nicht.“) / um Hilfe bitten / „Ich bin müde“ aussprechen / Pause vor der Antwort / Wunsch äußern.
FAQ: Rollen, Image & Schattenseiten
Muss ich mein Image komplett ablegen, um echt zu sein?
Was, wenn ich Angst habe, ohne Rolle nicht gemocht zu werden?
Sind Schattenseiten immer negativ?
Was, wenn das Thema starke Gefühle auslöst?
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag ist Orientierung und Selbstreflexion, keine Diagnose und kein Therapieersatz. Wenn dich das Thema stark belastet oder alte Traumata aktiviert, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
Abschlussfrage
Stell dir vor, eine deiner versteckten Seiten dürfte heute einmal laut sein: Was würde sie sagen?
Wenn du magst: Welche Rolle spielst du am häufigsten – und welcher Teil von dir wartet darauf, gesehen zu werden?
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