Emotionen – warum sie kommen, gehen und du trotzdem eine Mitte brauchst
Emotionen – warum sie kommen, gehen und du trotzdem eine Mitte brauchst
Praktisch, bodenständig, ohne „Zen-Roboter“-Anspruch.
Wohin möchtest du springen?
Wenn du nur 1 Sache liest: Toolbox + Mini-Routine. Die sind sofort nutzbar.
Willkommen in der wunderbaren, chaotischen Welt der Emotionen
Kennst du diese Tage, an denen du morgens aufwachst und alles fühlt sich leicht an – und zwei Stunden später bist du genervt, traurig oder innerlich leer, nur weil eine Kleinigkeit passiert ist?
• was Emotionen eigentlich sind
• wie sie entstehen
• warum sie nicht für die Ewigkeit gemacht sind
• was passiert, wenn du in ihnen feststeckst oder ihnen hinterherrennst
• und warum es so wichtig ist, deine Mitte zu kennen – ganz praktisch, nicht nur als schönes Wort

- Du verstehst, wie Emotionen entstehen (Trigger → Bewertung → Körper).
- Du erkennst die zwei Fallen: feststecken vs. hinterherrennen.
- Du bekommst eine praktische Definition von „Mitte“.
- Du hast eine Toolbox + Mini-Routine für Alltagssituationen.
Was sind Emotionen überhaupt?
Ganz einfach gesagt: Emotionen sind Energie in Bewegung.
Sie sind die Reaktion deines inneren Systems auf das, was du erlebst – außen oder innen.
Jemand lobt dich → Freude
Jemand kritisiert dich → Wut, Scham oder Traurigkeit
Du verlierst etwas Wichtiges → Schmerz
Du bekommst gute Nachrichten → Erleichterung
Emotionen sind wie inneres Wetter: Sie zeigen dir, dass etwas in dir in Resonanz geht. Dass dir etwas wichtig ist, dass ein Bedürfnis berührt wurde oder eine Grenze überschritten ist.
Emotion, Gefühl, Stimmung – der kurze Unterschied
Viele werfen diese Begriffe durcheinander. Ein Mini-Kompass:
Emotion
die innere Welle (meist kurz, intensiv, körperlich spürbar)
Gefühl
das, was du bewusst als „Wut/Trauer/Angst“ wahrnimmst
Stimmung
der längere Hintergrundton (z. B. dünnhäutig, gereizt, melancholisch)
Wie entstehen Emotionen? (Trigger → Bewertung → Körper)
1) Auslöser (Trigger)
Etwas passiert:
- jemand sagt etwas
- du liest eine Nachricht
- du erinnerst dich
- du hörst einen Tonfall
2) Bewertung
Dein Gehirn legt blitzschnell Bedeutung drauf:
- „Das ist gefährlich.“
- „Das ist peinlich.“
- „Das ist ein Angriff.“
- „Das ist schön.“
Diese Bewertung hängt von Erfahrungen, Prägungen, Glaubenssätzen und alten Verletzungen ab.
3) Körperreaktion + Gefühl
Dein Nervensystem reagiert: Herzklopfen, Hitze, Enge, Kloß im Hals, Druck im Bauch, Tränen, Zittern …
Und daraus entsteht das bewusste Gefühl: Wut, Angst, Scham, Trauer, Freude …
Wenn du das Nervensystem dahinter besser verstehen willst (Grün–Gelb–Rot, Alarmmodus, praktische Tools):
Nervensystem-Artikel →Emotionen sind Wellen – nicht Wohnungsbesitzer
Eigentlich sind Emotionen von ihrer Natur her:
- beweglich
- wellenartig
- zeitlich begrenzt
Wenn du eine Emotion wirklich fühlst – ohne sie zu unterdrücken und ohne sie aufzublasen – klingt sie meist wieder ab.
Das Problem ist oft nicht die Emotion selbst, sondern das, was wir daraus machen:
festhalten („Ich darf das nicht loslassen, sonst …“)
wegdrücken („Ich muss funktionieren. Nichts fühlen.“)
dramatisieren („Das ist furchtbar. Es wird immer so bleiben.“)
Wenn du feststeckst: Warum Emotionen manchmal „wohnen bleiben“
Wenn du in Emotionen hängen bleibst, kann das so aussehen:
- du reagierst impulsiv auf alles
- kleine Auslöser erzeugen große Reaktionen
- du drehst dich im Kreis: dieselbe Wut, dieselbe Trauer, dieselbe Angst
- du hast kaum Abstand: du bist die Emotion, statt sie zu erleben
Häufige Gründe, warum eine Welle nicht abklingt:
1) Die Geschichte hält sie oben
Nicht nur „ich bin wütend“ – sondern:
„Immer passiert mir das.“
„Keiner respektiert mich.“
„Ich bin falsch.“
Diese Sätze sind wie Wind, der die Welle weiter hochdrückt.
Gedankenkarussell stoppen →2) Unterdrücken staut Energie
Wenn du Gefühle wegdrückst, verschwinden sie nicht wirklich.
Sie stauen sich im Körper und tauchen später oft stärker auf: als Gereiztheit, Erschöpfung, Rückzug oder „plötzliche Explosion“.
Wenn du Emotionen hinterherrennst: der Druck, nur „gut“ zu fühlen
Es gibt auch die andere Seite: nicht im Schmerz stecken bleiben, sondern ständig bestimmten Gefühlen hinterherjagen:
immer glücklich
immer ruhig
immer „high vibe“
immer inspiriert
Das klingt schön, macht aber innerlich enormen Druck.
Wenn du nur angenehme Emotionen erlaubst, passiert oft:
- du unterdrückst alles Unangenehme
- du verlierst Kontakt zu echten Bedürfnissen
- du wirst anfällig für oberflächliche Spiritualität („Nur hoch schwingen“)
- du verpasst die Tiefe, die oft in unangenehmen Gefühlen steckt
Wenn du das Thema „High-Vibe-Druck“ und spirituelle Überheblichkeit klar eingeordnet haben willst:
Kritische Perspektiven →Was ist „Mitte“ praktisch? (nicht nur ein schönes Wort)
Deine Mitte heißt nicht:
dass du nichts mehr fühlst
dass du neutral wirst
dass du „Zen-Roboter“ bist
Deine Mitte heißt: Du fühlst – aber du verlierst dich nicht.
Praktisch besteht Mitte aus drei Dingen:
- 1Beobachteranteil: „Ah, da ist gerade Wut.“
- 2Körperkontakt: „Ich spüre meine Füße / meinen Atem / meinen Bauch.“
- 3Wahlpause: „Ich handle nicht sofort. Ich mache einen Atemzug Raum.“
Diese Mitte ist wie ein innerer Steg: Du kannst die Wellen spüren, aber du musst nicht in jeder Welle ertrinken.
Was hat das mit innerem Frieden zu tun?
Innerer Frieden bedeutet nicht: nie wieder traurig oder wütend sein.
Er bedeutet:
du kämpfst nicht dauerhaft gegen dich
du verurteilst Gefühle nicht ständig
du definierst dich nicht komplett über das, was du gerade fühlst
Frieden entsteht, wenn du sagen kannst:
„Ich bin wütend – und das darf da sein.“
„Ich bin traurig – und ich bleibe trotzdem bei mir.“
„Ich freue mich – und genieße es, ohne Angst, dass es wieder weg ist.“
Annehmen statt Bekämpfen.
Beobachten statt Verschmelzen.
Mitfühlen statt Festhalten.
Toolbox: 5 Impulse, die dich im Alltag zurück in die Mitte bringen
Benennen (10 Sekunden)
Statt „Mir geht’s komisch“:
„Ich fühle gerade Wut / Traurigkeit / Angst / Überforderung.“
Benennen schafft Abstand.
Ein Atemzug Raum (30 Sekunden)
Atme einmal bewusst länger aus als ein.
Nicht, um die Emotion wegzumachen, sondern um dein System zu erinnern: „Ich bin hier.“
„Das geht vorbei“ (Re-Frame, 5 Sekunden)
Sag dir:
„Das ist eine Welle. Keine Heimat.“
Dieser Satz kann in intensiven Momenten entlasten.
Bedürfnis-Frage (1 Minute)
Frag dich:
„Was brauche ich gerade wirklich?“
Nähe? Ruhe? Klarheit? Rückzug? Schutz? Bewegung? Ehrlichkeit?
Oft ist die Emotion das Signal – das Bedürfnis ist die Richtung.
Körper-Anker (30–90 Sekunden)
Mach etwas ganz Einfaches:
Füße spüren • Hände auf den Bauch • Schultern sinken lassen • Kiefer lösen • kurz strecken • ans Fenster
Mini-Routine (Sofort / Nachher / Langfristig)
Wenn du dir eine klare Struktur wünschst:
Sofort (30–90 Sekunden)
Benennen + langer Ausatmer + Füße spüren
Nachher (5 Minuten)
„Was war der Trigger?“
„Welche Geschichte hat es angezündet?“
„Was brauche ich jetzt wirklich?“
Langfristig (2–10 Minuten am Tag)
kurzes Journaling („Was fühle ich? Was brauche ich?“)
regelmäßige Körperregulation (Atmung/Bewegung)
bewusst Grenzen üben (damit weniger Wellen „überlaufen“)
Wann Unterstützung sinnvoll ist (kurz und ehrlich)
Wenn du merkst, dass Emotionen dich regelmäßig überrollen, du Angst/Panik erlebst, stark in alten Verletzungen landest oder dein Alltag und Schlaf massiv leiden, kann Unterstützung sehr hilfreich sein: Therapie, Beratung, seriöses Coaching, Körperarbeit.
Mini-FAQ
Warum wechseln meine Gefühle so schnell?
Wie kann ich Emotionen besser regulieren?
Ist es falsch, negative Emotionen zu fühlen?
Zum Schluss: Jetzt bist du dran
Welche Emotion erwischt dich am häufigsten?
Wut
Traurigkeit
Angst
Leere/Überforderung
etwas anderes
Und was bringt dich am schnellsten zurück in die Mitte: Atem, Körper, Schreiben oder Bewegung?
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