Selbstbild verstehen: Warum du dich nicht objektiv wahrnimmst
Kennst du das?
Du liegst abends im Bett und denkst über den Tag nach: „War ich komisch? Habe ich zu viel gesagt? Bin ich eigentlich okay so?“
Andere beschreiben dich als warm, hilfsbereit oder kompetent – aber in deinem Kopf läuft ein anderer Film: kritischer, härter, gnadenloser.
Springe zu deinem Abschnitt

- Selbstwahrnehmung ist keine neutrale Kamera.
- Filter prägen, was du „über dich“ glaubst.
- Fakten + Wohlwollen = realistischere Sicht.
- 3 Übungen → klarer, freundlicher, echter.
Was ist ein Selbstbild – und warum Selbstwahrnehmung nie neutral ist?
Dein Selbstbild ist das innere Bild davon, wer du glaubst zu sein: deine Eigenschaften, deine „Identität“, deine Geschichte über dich.
Deine Selbstwahrnehmung ist die Art, wie du dich in Momenten erlebst und interpretierst.
Selbstwahrnehmung ist keine neutrale Kamera. Sie ist eher wie eine Kamera mit:
- alten Kratzern (Erfahrungen)
- Farbfiltern (Glaubenssätzen)
- automatischer Überzeichnung (bei Stress) oder Weichzeichnung (bei Unsicherheit)
Nur weil du etwas über dich denkst, heißt das nicht, dass es die Wahrheit ist. Es ist eine Version von dir – durch deine innere Brille gesehen.
Warum dein Selbstbild oft verzerrt ist: 3 starke Filter
Viele innere Sätze sind alte Etiketten, die sich festgesetzt haben:
- „Du bist schwierig.“
- „Du bist zu empfindlich.“
- „Du bist so vernünftig.“
- „Du bist zu laut.“
Und irgendwann verwechselst du: „Das wurde mir oft gesagt“ = „So bin ich.“
Du siehst von anderen Bühne – und von dir Backstage: Zweifel, Müdigkeit, Chaos.
Heißt nicht: Social Media ist böse. Heißt: Vergleich ist ein starker Filter fürs Selbstbild.
Lesen statt Scrollen →Je nach Umfeld gibt es Erwartungen („stark“, „angepasst“, „effizient“). Dann wird:
- sensibel = „zu empfindlich“
- Grenzen = „egoistisch“
- ruhig = „komisch / zu still“
Dein Selbstbild hängt auch davon ab, in welchem Licht du betrachtet wurdest.
Authentisch im Alltag →Ist-Ich vs. Ideal-/Soll-Ich: warum es innerlich drückt
Viele Menschen leiden nicht daran, „wer sie sind“ – sondern an der Spannung zwischen:
Ist-Ich: wie du dich gerade erlebst
Ideal-Ich: wie du gern wärst
Soll-Ich: wie du glaubst sein zu müssen
Dein innerer Schmerz ist nicht automatisch ein Beweis, dass du falsch bist. Oft ist er ein Hinweis: deine inneren Maßstäbe sind zu hart oder zu fremd.
Wenn das Selbstbild kippt: zu negativ
In belastenden Phasen tauchen häufiger Sätze auf wie:
- „Ich kann nichts.“
- „Ich bin allen zur Last.“
- „Ich bin wertlos.“
Typisch ist Negativ-Fokus: Fehler überbetont, Positives abgewertet, Neutrales negativ interpretiert.
Wenn es kippt: zu positiv
Auch ein überhöhtes Selbstbild kann eine Verzerrung sein:
- Kritik kommt nicht an
- Eigenanteile werden verdrängt
- Verletzlichkeit wird überdeckt
Selbstkritik ist kein Urteil – sondern ein Filter
Dein innerer Kritiker klingt oft so, als wäre er objektiv:
- „Du bist nicht genug.“
- „Du machst alles falsch.“
- „Alle anderen kriegen das besser hin.“
Aber der innere Kritiker ist nicht die Wahrheit. Er ist: deine Geschichte, deine Angst, übernommene Glaubenssätze, alte Schutzmechanismen.
Gleiche Situation. Zwei Versionen. Oft reicht der Satz: „Okay – mein innerer Kritiker übertreibt mal wieder.“
Wenn du den Ton in dir ändern willst
Freundlicher heißt nicht naiv. Freundlicher heißt: stabiler und realistischer sehen.
3 Übungen, um dein Selbstbild zu verbessern (realistisch + freundlich)
Schreib drei Sätze auf, die oft auftauchen: „Ich bin schwierig.“ „Ich bin nicht genug.“ „Ich bin zu empfindlich.“
- Von wem könnte dieser Satz ursprünglich stammen?
- Ist er zu 100 % wahr – oder eher ein altes Etikett?
- Was wäre eine realistischere Version?
Beispiel: „Ich bin zu empfindlich.“ → „Ich nehme viel wahr. Manchmal brauche ich bessere Grenzen.“
Nimm eine Situation, in der du sehr selbstkritisch warst. Schreib drei Spalten:
- A) Kritiker-Story: „Ich hab mich total blamiert.“
- B) Kamera-Perspektive: nur Fakten.
- C) Wohlwollende Perspektive: „Du warst menschlich, nahbar, ehrlich.“
Schreib 3 Dinge auf:
- etwas, das dir gelungen ist
- ein Moment, in dem du jemandem gut getan hast
- eine Stärke, die du gezeigt hast (Zuhören, Humor, Klarheit, Mut)
Nicht zum Hochjubeln – sondern als Balance gegen das, was der Kritiker ausblendet: Licht.
Neue Haltung: Du bist mehr als dein altes Bild von dir
Du bist nicht nur deine alten Etiketten. Du bist nicht nur die Stimme deines inneren Kritikers. Du bist nicht dein schlechtester Moment.
Dein Selbstbild ist kein starres Porträt. Es ist eher eine Skizze, die du weiterzeichnen darfst.
Du musst dich nicht neu erfinden. Aber du darfst sagen:
- „Mein Selbstbild darf sich verändern.“
- „Meine Selbstwahrnehmung ist wichtig – aber nicht unfehlbar.“
- „Ich lerne, mich realistischer und liebevoller zu sehen.“
Die Realität ist oft sanfter als deine strengste innere Stimme.
Mini-FAQ: Häufige Fragen zum Selbstbild
Was ist ein Selbstbild?
Warum sehe ich mich oft negativer als andere mich sehen?
Wie kann ich ein realistisches Selbstbild entwickeln?
Was ist ein Negativ-Bias bei depressiver Stimmung?
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