Selbstmitgefühl lernen: 7 Übungen für eine Freundschaft mit dir selbst

Selbstmitgefühl lernen: 7 Übungen für eine Freundschaft mit dir selbst
(Selbstkritik stoppen, innerer Kritiker leiser machen, Selbstannahme lernen – ohne Zuckerwatte)

Worum es hier geht

Nach außen bist du oft verständnisvoll, geduldig, hältst andere. Und bei dir selbst läuft manchmal ein Kommentar-Kanal, der klingt wie „Chef von 1995“ auf Dauerschleife.

Wenn du dich schon mal ertappt hast bei Sätzen wie:

• „Natürlich nicht gut genug.“
• „Wie kannst du nur so sein?“
• „Immer machst du sowas.“

Wichtig: Das ist nicht „dein Charakter“. Das ist ein erlerntes System.

Selbstmitgefühl lernen ist keine Zuckerwatte-Spiritualität. Es ist ein Upgrade für deinen inneren Umgangston: weniger innere Ohrfeigen, mehr innere Unterstützung.
Mitgefühl für sich selbst lernen
Quick Take
  • Selbstmitgefühl = ehrlich + menschlich + freundlich.
  • Der innere Kritiker ist oft ein altes Schutzprogramm.
  • 60 Sekunden reichen, um den Ton zu wechseln.
  • Mini-Routine macht’s stabil.

Kurz & klar: Was ist Selbstmitgefühl?

Selbstmitgefühl bedeutet, dich in schwierigen Momenten unterstützend zu behandeln – mit:

  1. Wahrnehmen (statt wegdrücken oder dramatisieren)
  2. Menschlichkeit (statt „nur ich bin so“)
  3. Freundlichkeit (statt Selbstabwertung)
Das ist nicht „alles egal“. Das ist: ehrlich hinschauen – freundlich bleiben.

Wenn du Authentizität im Alltag übst, ist Selbstmitgefühl oft die Basis dafür:

Bewusst leben: Authentizität im Alltag →

Der innere Kritiker: Dein persönlicher Mecker-Podcast im Kopf

Fast jede*r hat sie: diese Stimme, die sich „nur ehrlich“ nennt – und in Wahrheit wie ein mies gelaunter Sicherheitsbeauftragter klingt.

Typische Klassiker:

  • „Stell dich nicht so an.“
  • „Andere kriegen das doch auch hin.“
  • „Immer machst du sowas.“
  • „Was stimmt eigentlich nicht mit dir?“

Wichtig: Der innere Kritiker will oft nicht „böse“ sein. Er ist häufig eine alte Schutzstrategie: „Wenn ich hart bin, mache ich weniger Fehler. Wenn ich streng bin, werde ich nicht abgelehnt.“

Warum er so müde macht

Das Problem: Die Wirkung ist selten Entwicklung – eher Druck, Scham, Stress, Erschöpfung.

Merksatz: Selbstkritik stoppen heißt nicht, den Kritiker zu vernichten. Es heißt, ihn zu entmachten – und den Ton zu wechseln.

Wenn du merkst, dass der Kritiker besonders laut wird, wenn dein System im Stress ist, hilft oft zuerst Regulation:

Nervensystem regulieren →

Selbstannahme heißt nicht „mir doch egal“

Zwei Missverständnisse tauchen immer wieder auf:

Selbstannahme ist nicht:

  • „Ich bin halt so, Pech gehabt.“ (Fatalismus)
  • „Ist mir alles egal.“ (Rückzug)

Selbstannahme ist:

  • ehrlich hinschauen (auch auf chaotische Stellen)
  • Verantwortung übernehmen
  • ohne dich innerlich zusammenzustauchen
Selbstannahme beendet den Krieg gegen dich selbst – damit Veränderung überhaupt möglich wird.

Stell dir vor, du wärst nicht mehr dein eigener Bully

Wenn eine Freundin sagt: „Ich hab versagt, ich fühl mich mies“ – würdest du sie fertig machen? Wahrscheinlich nicht. Du würdest einordnen, trösten, stützen.

Mitgefühl für sich selbst lernen heißt: genau diesen Ton auch dir gegenüber verfügbar zu machen.

Zwei starke Fragen

• „Was bräuchte ich gerade, um mich unterstützt statt verurteilt zu fühlen?“
• „Wie würde ich mit einem Menschen sprechen, den ich liebe, wenn er in meiner Situation wäre?“

Self-Compassion Break: 60 Sekunden (die schnellste Übung)

Diese Übung ist dein Mini-Reset für den Alltag – ohne Räucherstäbchen.

  1. Wahrnehmen (10–20 Sek)
    Sag innerlich: „Das ist gerade schwer.“ / „Ich bin überfordert.“ / „Das hat mich getroffen.“
  2. Menschlichkeit erinnern (10–20 Sek)
    „Ich bin keine Maschine. Andere kennen das auch.“ / „Ich bin nicht allein damit.“
  3. Freundlich antworten (10–20 Sek)
    „Kein Wunder, dass mich das mitnimmt – es war viel.“ / „Ich darf langsamer machen.“ / „Ich bin auf meiner Seite.“
Optional (sehr wirksam): Hand aufs Herz/Bauch + 3 ruhige Atemzüge. Signal ans Nervensystem: „Ich bin nicht in Gefahr.“

Wenn du gern eine kurze 1–5-Minuten-Routine als „Zurück in die Mitte“-Tool hast:

Stabile innere Mitte (Mini-Reset) →

7 Übungen: Selbstmitgefühl lernen (ohne den Kritiker zu bekämpfen)

Hier kommen Selbstmitgefühl Übungen, die alltagstauglich sind und echte Wirkung haben – gerade wenn du oft streng mit dir bist.

1) Den inneren Kritiker benennen („Ah, da ist er.“)

„Ah. Da ist mein innerer Kritiker.“ (Oder humorvoll: „Mecker-Kommentator ist wieder online.“) Abstand entsteht: Du bist nicht die Stimme – du hörst sie.

2) Tonfall wechseln: Sprich wie mit einem Kind, das du magst

„Okay. Das war nicht ideal. Aber du bist nicht falsch. Wir schauen, was der nächste Schritt ist.“

3) 1 Satz statt Roman

„Ich gebe gerade mein Bestes.“ / „Ich darf lernen.“ / „Ich muss mich nicht beschimpfen, um besser zu werden.“

4) Beweisfrage: „Was spricht dafür, dass ich gerade mein Bestes gebe?“

„Was habe ich heute schon getragen?“ – „Was war schwer?“ – „Was würde ich bei einer Freundin sehen?“ (Realität zurückholen.)

5) „Und“-Sprache: raus aus Schwarz-Weiß

„Es war nicht perfekt und ich bin trotzdem okay.“ – „Ich bin unsicher und ich darf den nächsten Schritt gehen.“ – „Ich habe einen Fehler gemacht und ich bleibe wertvoll.“

6) Körper-Reset (30 Sekunden)

Schultern hochziehen → halten → lösen. Kiefer weich. 3 Atemzüge, länger aus als ein. Körper beruhigt → Kopf beruhigt.

7) Mini-Journaling (3 Zeilen – fertig)

1. „Heute war schwer, weil …“
2. „Ich brauche jetzt …“
3. „Ein kleiner nächster Schritt ist …“

Wenn Perfektionismus bei dir oft das Grundrauschen ist, passt das als Ergänzung:

Endlich unperfekt →

Kritiker → Verbündete Sätze Generator

Wähle den Kritiker-Satz, der bei dir am häufigsten läuft. Du bekommst sofort eine „Verbündeten-Version“ (freundlich, aber nicht kitschig) + einen Mini-Schritt.

„Nicht gut genug“ Selbstwert

Wenn „nicht genug“ anspringt …

Kritiker „Natürlich nicht gut genug.“
Verbündete „Es ist nicht perfekt – und ich bin trotzdem okay. Ich darf lernen.“
Mini-Schritt: Nenne 1 Sache, die du heute getragen hast. Nicht groß. Nur real.
„Wie kannst du nur“ Scham

Wenn Scham dich runterzieht …

Kritiker „Wie kannst du nur so sein?“
Verbündete „Das war menschlich. Ich muss mich nicht beschimpfen, um besser zu werden.“
Mini-Schritt: Sag leise: „Das ist gerade schwer.“ (10 Sekunden reichen.)
„Immer machst du …“ Übertreibung

Wenn der Kritiker pauschal wird …

Kritiker „Immer machst du sowas.“
Verbündete „Nicht immer. Heute war es schwierig. Ich kann den nächsten Schritt trotzdem gehen.“
Mini-Schritt: Finde 1 Gegenbeispiel: „Wann war es schon mal okay?“
„Stell dich nicht so an“ Gefühle

Wenn du dich selbst kleinmachst …

Kritiker „Stell dich nicht so an.“
Verbündete „Es darf mich treffen. Ich bleibe freundlich – und schaue, was ich brauche.“
Mini-Schritt: Frage: „Brauche ich gerade Ruhe, Kontakt, Bewegung oder Struktur?“
„Andere können das“ Vergleich

Wenn Vergleich dich klein macht …

Kritiker „Andere kriegen das doch auch hin.“
Verbündete „Andere haben andere Tage. Ich darf meinen Weg in meinem Tempo gehen.“
Mini-Schritt: 1 Fokus: „Was ist heute mein nächster kleiner Schritt?“
„Ich bin zu viel/zu wenig“ Identität

Wenn du dich als „Problem“ fühlst …

Kritiker „Ich bin zu viel / zu wenig.“
Verbündete „Ich habe gerade viel in mir. Das macht mich nicht falsch. Ich darf mich sortieren.“
Mini-Schritt: Hand auf den Bauch + 3 Atemzüge länger aus als ein.
Wie du den Generator nutzt (30 Sekunden):
  1. Wähle 1 Kritiker-Pill.
  2. Lies den Verbündeten-Satz einmal laut oder leise.
  3. Mach den Mini-Schritt. Danach erst weiterdenken.

Wenn es sich anfühlt wie „Ich muss repariert werden“

Viele laufen herum wie ein Dauerprojekt: optimieren, verstecken, reparieren.

Der neue Blick: Du bist kein kaputtes Gerät auf einer Werkbank. Du bist ein Mensch im Lernprozess.

Satz, den du dir gönnen darfst:
„Selbsterkenntnis ohne Liebe wird hart. Mit Liebe wird sie heilsam.“

Mini-Routine (3×20 Sekunden pro Tag): Selbstmitgefühl im Alltag

Diese Mini-Routine ist für Menschen mit wenig Zeit, aber viel innerem Druck.

  • Morgens (Start): „Heute rede ich mit mir wie mit jemandem, den ich gern habe.“
  • Mittags (Check-in): „Was brauche ich gerade: Ruhe, Bewegung, Kontakt oder Struktur?“
  • Abends (Runterfahren): „Es war viel. Ich bin auf meiner Seite.“
So entsteht eine Freundschaft mit dir – nicht als große Veränderung, sondern als täglicher Ton.

FAQ: Selbstmitgefühl lernen

Ist Selbstmitgefühl nicht Selbstmitleid?
Nein. Selbstmitleid bleibt oft im Gefühl „nur ich“, isoliert und festgefahren. Selbstmitgefühl erinnert an Menschlichkeit und macht wieder handlungsfähig.
Heißt Selbstannahme, dass ich nichts ändern muss?
Nein. Selbstannahme heißt: ehrlich sehen, was ist – ohne Selbstabwertung. Das ist der Boden, auf dem Veränderung möglich wird.
Was, wenn es sich am Anfang „fake“ anfühlt?
Normal. Du trainierst eine neue innere Sprache. Am Anfang ungewohnt – später verfügbar.
Welche Übung hilft am schnellsten?
Der Self-Compassion Break (60 Sekunden): Wahrnehmen → Menschlichkeit → freundlich antworten.

Kleine Challenge (für heute)

Fang heute einen typischen Kritiker-Satz ein, zum Beispiel: „Boah, war das wieder schlecht.“

Und lass deine innere Freundin kontern:

„Es war nicht perfekt – aber ich habe mein Bestes gegeben. Und das sehe ich.“

Wenn du magst: Schreib in die Kommentare, welcher Kritiker-Satz bei dir am häufigsten läuft – und welcher Verbündeten-Satz ihn ersetzen könnte.

Hinweis

Wenn Selbstkritik extrem ist oder du in starker Depression/Angst steckst: Unterstützung zu holen ist Stärke. Du musst das nicht alleine tragen.

Abspann

Abspann: Unterstütze MindArt Universe

Wenn dir dieser Beitrag geholfen hat, kannst du das Projekt so stärken:

Weitere Artikel

Meditation und innere Ruhe – warum dein Kopf eine Pause verdient

Bücher & Empfehlungen – eine Plattform für Geschichten, Wissen & Autoren

Kunst & Kreativität im MindArt Universe – Wie ich mein Design-Hobby gefunden habe

Carl Gustav Jung – Mein Mentor den ich nie getroffen habe

Privates Kontaktformular
Name

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert