„Ich bin eben so“ – stimmt dein Selbstbild noch?
Manche Sätze über uns begleiten uns seit Jahren. Die spannende Frage ist nur: Beschreiben sie noch, wer wir heute sind?
„Ich bin nicht selbstbewusst.“ „Ich war noch nie gut in so etwas.“ Solche Sätze gehen leicht über die Lippen. Doch beschreiben sie wirklich, wer du heute bist – oder wiederholst du eine Einschätzung, die seit der Schulzeit niemand mehr überprüft hat?
Dein Handy bekommt regelmäßig Updates. Dein Selbstbild auch?
Eine Erfahrung ist noch kein Steckbrief
Stell dir vor, du hast einmal vor der Klasse einen Vortrag gehalten. Du warst nervös, hast den Faden verloren, jemand hat gelacht. Jahre später steht eine Präsentation an, und dein erster Gedanke lautet: „Das kann ich nicht.“
Die damalige Erfahrung war unangenehm. Nur liegt zwischen diesem Schultag und heute womöglich ein halbes Leben. Du hast inzwischen Gespräche geführt, Probleme erklärt und Situationen gemeistert, die damals noch völlig außerhalb deiner Vorstellung lagen. Trotzdem darf ausgerechnet dieser eine Vortrag weiterhin über deine Fähigkeiten Auskunft geben.
Ähnlich klingt es beim Zeichnen, beim Sport oder im Umgang mit Technik. Aus „Das ist mir nicht gelungen“ wird irgendwann „Das liegt mir nicht“. Und manchmal wird daraus eine Regel, nach der wir gar nicht mehr ausprobieren, was heute möglich wäre.
Natürlich musst du nicht jede alte Schwierigkeit zum neuen Hobby erklären. Aber es lohnt sich zu fragen:
Beschreibe ich gerade eine Grenze, die ich kenne – oder eine, die ich schon lange nicht mehr überprüft habe?
Nicht selbstbewusst? Wirklich in jeder Situation?
Du hältst dich in einer fremden Gruppe zurück. Bei einem guten Freund sagst du dagegen ziemlich deutlich, was du denkst. Eine Präsentation macht dich nervös, aber wenn jemand unfair behandelt wird, meldest du dich zu Wort.
Passt „Ich bin nicht selbstbewusst“ zu all diesen Situationen?
Im Alltag meinen wir damit häufig, dass uns Selbstsicherheit fehlt. Doch die kann je nach Umfeld und Erfahrung unterschiedlich ausfallen. Du kannst in einer Situation unsicher sein und in einer anderen sehr klar auftreten. Auch ein ruhiger Mensch kann wissen, was er möchte. Dafür muss er nicht erst die Lautstärke des gesamten Raumes übernehmen.
Eine genauere Beschreibung könnte lauten: „In neuen Gruppen brauche ich etwas Zeit.“ Damit lässt sich mehr anfangen. Sie benennt eine Erfahrung und lässt Platz für die Seiten an dir, die ebenfalls dazugehören.
Wann stimmt dein üblicher Satz über dich eigentlich nicht?
Diese Frage verdient genauso viel Aufmerksamkeit wie die nächste Situation, in der du dich wieder bestätigt fühlst.
Wer hat dir dieses Etikett gegeben?
„Du bist eben unser Schüchterner.“ „Kreativ warst du noch nie.“ Manche Beschreibungen haben andere Menschen irgendwann über uns ausgesprochen. Später verwenden wir sie selbst, als hätten wir sie nach sorgfältiger Prüfung persönlich unterschrieben.
Dabei kann eine frühere Beobachtung längst unvollständig geworden sein. Du führst im Beruf schwierige Gespräche und wirst beim Familientreffen trotzdem noch als derjenige vorgestellt, der sich nie etwas traut. Offenbar arbeitet das Familienarchiv mit älteren Unterlagen.
Das muss keine böse Absicht sein. Trotzdem darfst du prüfen, ob diese Rolle noch zu dir passt. Welche Erfahrungen sind seitdem dazugekommen? Was gelingt dir inzwischen? Und was erklärst du vorschnell zum Zufall, weil es deiner vertrauten Geschichte widerspricht?
Ein Kompliment anzunehmen oder einen kleinen Erfolg gelten zu lassen, bedeutet noch lange nicht, sich selbst zu überschätzen.
Ein genauerer Satz lässt mehr offen
Du musst aus „Ich kann das nicht“ kein begeistertes „Ich kann alles“ machen. Dazwischen liegen glaubwürdigere Möglichkeiten: „Das fällt mir schwer.“ „Ich habe darin wenig Übung.“ Oder auch: „Ich habe es versucht und festgestellt, dass es mir keine Freude macht.“
Nicht jede Fähigkeit lässt sich beliebig entwickeln. Und nicht alles, was du lernen könntest, musst du lernen wollen. Es geht darum, dir eine faire Einschätzung zu erlauben.
Wenn dich etwas interessiert, könnte ein kleiner Versuch dazugehören: eine Idee im Gespräch aussprechen, eine Skizze machen oder eine technische Einstellung selbst ausprobieren. Anschließend darfst du neugierig schauen, was tatsächlich passiert ist. Auch ein holpriger Anfang muss kein endgültiges Urteil liefern.
Dein Selbstbild darf neue Erfahrungen aufnehmen. Es wurde schließlich nicht irgendwann in der Jugend fertiggestellt und anschließend laminiert.
Wenn dich die Frage beschäftigt, welche alten Vorstellungen über dich noch stimmen und wo du dich vielleicht längst verändert hast, passt auch Im Takt mit dir selbst zu diesem Gedanken. Im Mittelpunkt steht die eigene Wahrnehmung – und die Möglichkeit, sich selbst nicht nur nach alten Geschichten zu beurteilen.
Über Mind Art Universe
Mind Art Universe beschäftigt sich mit Bewusstsein, Selbstwahrnehmung und den Geschichten, die wir über uns selbst erzählen. Nicht jede davon muss falsch sein. Aber manche dürfen gelegentlich überprüft werden – besonders dann, wenn das Leben längst neue Kapitel hinzugefügt hat.
Welchen Satz über dich hast du irgendwann korrigiert?
Welchen Satz über dich selbst hast du lange geglaubt – bis eine Erfahrung plötzlich nicht mehr dazu passte?
Erzähl gern in den Kommentaren, was dich an dir selbst überrascht hat.



